Was ist SelbstBewusstsein?

Mit spätestens 16 Jahren sollen wir uns entscheiden, wer wir sein wollen und folgen einer Spur die längst hinfällig oder noch nie unsere war. Wir lassen uns von einer uralten Fährte aus selbst- und fremdsabotierenden Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern vergangener Tage (Jahrhunderte bis Jahrtausende alt) leiten. Wir schauen uns von anderen ab, was angeblich wichtig und richtig ist. Dadurch, dass die meisten schon mit 16 Jahren unter den drei größten Volksseuchen leiden: Mangelbewusstsein, Minderwert und Angst, treffen wir Entscheidungen, die selten unserer wahrhaftigen Echtheit entspringen. Eine Echtheit, die mit all unseren Fähigkeiten, Wünschen und Potenzialen gelebt ist. Je weiter wir uns von unserer Echtheit entfernen, desto mangelhafter wird unser Selbst-Bewusstsein.

Wir sind derart unbewusst, weil in jeder unserer Zellen unser ureigenes, urvertrautes Selbst-Bewusstsein, seit dem Anbeginn durch Ängste, Selbstzweifel und hauptsächlich durch unterdrückte Aggressionen festgefahren, verhärtet und versteinert ist.

Am Level unseres Selbstbewusstseins können wir erkennen, inwiefern wir uns und die Welt wahrnehmen und inwieweit wir uns als Gestalter unseres Lebens begreifen. Je höher der Level unseres Selbstbewusstseins ist, desto deutlicher nehmen wir uns (unseren Körper mit seinen Befindlichkeiten) und unser Umfeld wahr. Ob und wie wir uns selbst erkennen, anerkennen und wertschätzen, wer und was wir sind, hängt von diesem Level ab. Je niedriger er ist, desto mehr sind wir in der Trennung verhaftet. Dann stehen wir im grauen Dunst des Massenbewusstseins sowie im Nebel unserer unbewussten inneren Haltung und driften ebenso unbewusst, wie dumpf durchs Leben.

Vorab möchte ich etwas mit dem Verständnis über Selbstbewusstsein aufräumen.

Was wir allgemein als Selbstbewusstsein bezeichnen, wird mit einem starken Egofeld verwechselt. Man misst heutzutage Selbstbewusstsein, an Grad der Durchsetzungskraft, an der Ausprägung des Stolzes und am selbstsicheren Auftreten. Daher werden genau diese Eigenschaften mit mentalen Techniken trainier- und überspielbar – damit künstlich aufgebaut.

Wenden wir Strategien für unsere Persönlichkeitsentwicklung an, indem wir einzelne Lebensbereiche durchforsten, um herauszufinden, wo wir unsere Individualität am besten zum Ausdruck bringen können, sind wir nur mit den äußeren Bedingungen (Partner, Familie, Freizeit, Beruf, Kultur, Gesellschaft, etc.) beschäftigt. Man empfiehlt uns, unsere Stärken zu stärken und die Schwächen zu akzeptieren oder loszulassen. Dies hält uns weiterhin im Anpassungsmodus und führt nicht weit.

Also dürfen wir beginnen, unser Verständnis für die wahre Bedeutung von SELBST-BEWUSST-SEIN zu korrigieren.

Selbstbewusstsein ist der Anzeiger von Selbstwert, Authentizität und Präsenz. Für mich hat Selbstbewusstsein unmittelbar mit der wahren Beziehung zu uns selbst zu tun. Ein Makler bestimmt den Wert seiner Immobilie hauptsächlich nach drei Kriterien: Lage, Lage und nochmals Lage. Die Gesundheit bemisst sich nach dem Grad dieser drei Kriterien: Verbindung, Verbindung und nochmals Verbindung. Das bedeutet, je enger die Verbindung zu uns und zur unserem Umfeld ist, desto ehrlicher kann die Beziehung sein. In dieser Ehrlichkeit können wir stets unsere „Lage“ peilen, als auch und unseren Wert erkennen. Dann brauchen wir die Verblendungen nicht mehr.

Die große Missdeutung: Wir streben bewusst oder unbewusst IMMER nach einer Verbindung in Form von Beziehungen. Diese suchen wir allerdings NUR in der Außenwelt. Oft ist es sogar eine krankmachende Suche, die nicht selten in Abhängigkeitsverhältnissen endet. Andere Menschen leiden furchtbar, entweder weil sie keine Beziehung eingehen können, keine haben oder meinen, den falschen Partner zu haben. Übersehen dabei, dass die wichtigste Verbindung/Beziehung vernachlässigt ist: zu sich SELBST.

Die Beziehung zu uns selbst ist durch Identifizierungen, der Ich- und Fremd-Identifikationen sowie aus Rollenverständnissen, die aus unseren eigenen Erfahrungen und einem äußeren Rahmen gewachsen oder übernommen sind, beträchtlich beschränkt. Wir wurden gelehrt, uns selbst nicht in der Wirklichkeit zu erfahren. Uns wurde von allen Seiten eine gesunde und durchdringende Selbstreflektion aberzogen. Die direkte Innenschau in die Tiefe unseres selbst hat uns auch niemand vorgelebt. Im Gegenteil, wir wurden auf die Benutzung unserer klassischen fünf Sinne trainiert und damit abgelenkt, woanders hinzublicken: nach Draußen. Eine Innenschau ist nur mit geistiger Wahrnehmung möglich und nicht mit den 5 Sinnen. Dadurch sind die Worte von „Verbindung mit uns selbst“ nicht wirklich für uns verstehbar oder nachvollziehbar. Damit rückt die Wirklichkeit/Essenz in weite Ferne, sogar in unerreichbare Ferne. Heutzutage weiß kaum einer, was mit Wirklichkeit gemeint ist und verwechselt sie mit Wahrheit und es entstehen Worthülsen und Missverständnisse. Mit dem Ergebnis, dass wir mit der Selbstwahrnehmung entweder oftmals total daneben liegen oder keinen Schimmer davon haben, was genau wir wahrnehmen sollen. Die Begrenztheit unseres Selbst wird zur dumpfen Normalität. Übrig bleibt nur ein schales Gefühl von „das kann doch nicht alles sein“.

Das Kuriose ist, dass die meisten sich mit Selbstwahrnehmung nicht beschäftigen wollen aber gleichzeitig das Niveau Ihres Selbst-Bewusstseins beklagen. Würden wir erfassen, dass Selbstwahrnehmung unmittelbar mit dem Selbstbewusstsein zusammenhängen, sähe die Lage mit Sicherheit anders aus.

Zur Selbstwahrnehmung bedarf es noch nicht einmal viel Aufwand, denn unser Körper erinnert uns ständig daran. Aus der Tiefe unseres Seins drängt sich nämlich natürlicherweise unsere innere Ordnung und das Potenzial unserer Essenz hervor. Wir bräuchten nur wahrzunehmen, hinzuschauen bzw. zu fühlen. Begreifen wir das natürliche Drängen nicht als Motor, sondern als Bedrängung oder Unannehmlichkeit, richten wir uns gegen unsere intuitiven Botschaften. Mit der Folge, dass wir Unsicherheit, Schwäche, Minderwert, Unzufriedenheit, Leid und Schmerz empfinden. Das Drängeln übernehmen dann unsere Fehl-Entwicklungen, Misserfolge und Krankheiten. Wir missdeuten es solange, bis der Schmerz unerträglich geworden ist. Bis dahin setzen wir auf perfide Vermeidungs- und Verdrängungstaktiken. Jede Taktik ist nur ein Ersatzmechanismus, der allerdings die inneren Spannungen und Widerstandsenergien nur oberflächlich glättet. Die inneren Spannungen bleiben oder werden mitunter noch stärker. Sie sorgen für eine Magnetkraft, die derartige Ereignisse geradezu anzieht und sich durch sie entladen. Der Kreislauf beginnt. Wir verdrängen die aufsteigenden Ängste, Schmerzerinnerungen oder Leiderfahrungen immer wieder aufs Neue, wehren sie ab oder flüchten vor ihnen. Wir leiten unser eigenes Leid um, in dem wir unbewusst Projektionsflächen suchen und auch finden. Die Projektionsfläche sind häufig die Menschen, die uns am nächsten stehen, wie Partner oder Kinder. Wir übertragen es nach außen, sodass wir meinen, uns wehren oder verteidigen zu müssen und beschuldigen die Anderen. Können wir uns nicht im Außen entladen oder abreagieren, richtet sich das Aggressionspotenzial gegen uns selbst. Überall, wo wir entweder nichts fühlen oder ausrasten, sitzt eine Ladung, die Aggression schürt und gleichzeitig Lebensenergie, Lebensfreude und Lebendigkeit eingeschränkt. Dies bringt unsere Unsicherheiten und Ängste zum Wuchern. Wie ein bösartiger Tumor breitet sie sich aus, so dass wir weder unsere Essenz, noch den Ursprung unserer Probleme erkennen.

Je mehr wir verdrängen, desto mehr destruktive Kräfte sind am Werk und erhöhen den inneren Druck. Am Ende der Kaskade verlieren wir das Gefühl für uns und das Selbstbewusstsein – wie auch alle anderen Gefühle – sind im Bedürfniskeller verschwunden. 

Viele Menschen haben unzählige Gründe, weswegen sie nicht selbstbewusst sind und warum sie nicht sie selbst sein können. Wieder andere haben keinen blassen Schimmer, was ihr Selbst eigentlich ist. Und wieder andere stellen irgendwann fest, dass sie doch nicht die Person sind, für die sich gehalten haben. Hören Sie auf, Ihre Vergangenheit dafür verantwortlich zu machen, dass Sie kein Selbstbewusstsein haben und sich deshalb auch nicht entfalten können. Diese Einstellung bringt uns kein Stück weiter. Ohne Selbstbewusstsein können wir unsere Authentizität nicht leben oder ausdrücken. Selbstbewusstsein ist das Geschenk an Authentizität. Es beschert uns genau das, was wir im Grunde bereits sind – ohne mogeln, ohne Maske und falschem Selbstbild. Ein Geschenk ist nur ein Geschenk, wenn wir es annehmen. Also geht es um Annahme dessen: WAS ICH BIN und ums Erkennen, was ich nicht bin.

Über das „Ich“ können wir wundervolle Erklärungen finden und erfinden. Alle Fachgebiete der Psychologie können Sie darin sicherlich aufklären und dennoch total daneben liegen.

Dadurch, dass die Meisten keinen Zugang zu ihrer Essenz und damit zu sich selbst haben, wissen sie auch nicht, wer und was sie sind. Sie entfremden sie sich von sich selbst und klammern sich an eine Scheinidentität. Sie bemerken nicht, dass sie ihr autarkes Selbst gegen ein schwaches Ich eingetauscht haben und damit nicht mehr präsent in sich selbst sind. Sind wir nicht präsent, könne wir auch nicht authentisch sein. Sind wir nicht authentisch, haben auch kein Körperbewusstsein und wenn wir das nicht haben, dann fehlt auch Selbst-Bewusstsein. Also ein Kreislauf, den es zu durchbrechen gilt. Schauen wir uns dazu das SELBST mal näher an.

Das Selbst

Ist unser Selbst authentisch und frei, stehen wir in voller Blüte im Leben. Es treten unsere wahren Facetten zum Vorschein und wir gestalten unser Leben in wundervollen Ausdrucksformen. ABER bei den meisten ist das Selbst hinter dem Ich versteckt. Das „Ich“ ist an den Box-Rahmen gebunden und trägt damit eine Manschette, die sich um unsere Essenz legt. So dass das „Ich“ lediglich nur aus den Egobegrenzungen, Konditionierungen, Überzeugungen, Glaubensmustern, gesellschaftlichen Reglementierungen, Werten, Konventionen und Vorschriften agieren kann.

Die Essenz repräsentiert die lilafarbene Wurzel. Sie steht für Fülle und Facettenvielfalt. Unser Selbst ist zwar aus der Essenz gespeist, aber es kann nur das in den Ausdruck (Blütenblätter) bringen, was es an Information und Lebensenergie erhält. Der Egokörper (grauer Ring) entscheidet über die Fließkraft und den Informationsgehalt des Lebenssaftes (Stiel). Er ist der Vermittler zwischen Essenz (Wurzel) und dem authentischen Sein (Blüte). Das heißt, das Ego entscheidet über die Verfügbarkeit von Lebensenergie. Je stärker das Ego, je kleiner und schwächer ist die Durchflusskraft des Lebenssaftes des Stiels, je schmaler der Informationsgehalt und desto dürftiger die Ausdruckskraft unserer Essenz. Mit dem Ergebnis, dass sich Lebensqualitäten zugunsten einer künstlichen Authentizität und erhöhter Abhängigkeit verschieben. Durch gedrosselte Kraft und verfälschte Information können im Körper an irgendeiner Stelle Störfelder auftreten.

Welche Pracht und Größe unser Selbst (Blüte) hervorbringen kann, hängt demnach immer von der Freiheit der Wurzel ab. Je näher wir mit unserer Lebenserfahrung an unserer Essenz sind, desto mehr Lebensenergie fließt frei und ungebunden durch uns hindurch.

Unser Entwicklungs- und Rollenverständnis

In der Wachstumsphase des Selbst, besuchen wir alle unfreiwillig eine Schauspielschule, die sich Leben nennt. Wir verlieben uns in die Lichter und Requisiten der Bühne, die wir zu unserer Realität machen. Jeder gibt sein Bestes auf der Lebensbühne und versucht, mehr oder weniger erfolgreich, etwas darzustellen. Die Requisiten werden im Laufe unseres Lebens immer abgenutzter oder fulminanter, die Lagerhallen immer staubiger und voller sowie die Rollenspiele immer eingeschränkter. Wir fühlen uns nur sicher in den Rollen, die wir studiert und geprobt haben und auswendig kennen. Sie dienen nur noch den Zwecken, uns in unserem winzigen Realitätsausschnitt zu amüsieren und uns zu schützen vor Gefühlen wie Versagensangst, Blamage oder Ablehnung.

Wer wagt es heutzutage noch, sich ehrlich und ungeschminkt zu zeigen?

Mit ungeschminkt meine ich, sich zu zeigen ohne Masken unter einstudierte Rollen. Wir wagen es nicht, weil wir uns klein, nackt, unsicher, minderwertig und verletzlich fühlen.

Fragen Sie sich ehrlich, ob und welche Strategie Sie bereits entwickelt haben, um gesehen, akzeptiert oder geliebt zu werden? Wieviel haben Sie selbst schon künstlich nachgeholfen, um schöner auszusehen oder besser und reicher dazustehen, als Sie sich tatsächlich fühlen? Doch hat es tatsächlich Ihr Selbstbewusstsein gefördert?

Oft sind wir nur wie eine schüchterne zarte Blüte, die sich versteckt und vom wildwachsendes Unkraut rücksichtslos verdrängen lässt. Vielleicht glauben Sie, dass Sie nur deshalb nicht richtig blühen, weil sie von anderen, viel größeren, schöneren und bedeutenderen Blumen überschattet werden? Vielleicht glauben Sie, das Samenkörnchen (das sie sind) haben Ihre Eltern auf einer Mauer im Schatten verloren? Und der Schatten (die miesen Bedingungen Ihres Lebens) sind Schuld, dass Sie zum Mauerblümchen verkommen mussten, in dem Sie keiner sieht, achtet oder mit Reichtum belohnt?

Wir dürfen unsere Missstände im Leben und Krankheiten als Einladung betrachten, unsere Rollen zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren. Aber auch ohne Krankheit meldet sich das nicht gelebte wahre Sein durch Unzufriedenheit, innere Spannung, Gereiztheit. Nicht selten haben wir die Selbst-Qualitäten ins Gegenteil umformiert: wie Selbst-Darstellung, -Sucht, -Abwertung, -Überschätzung, -Verachtung, -Hass, -Mitleid oder -Kontrolle.

Eine Krise oder eine Krankheit verlangt, dass wir unser Selbst auf der Lebensbühne schonungslos UND authentisch zeigen – ohne Requisiten, ohne hübsch gemachte Dekoration, ohne bunte Tapeten, Schminke oder Kostüme. Die Bühne der Selbstheilung ist nicht Showtime, sondern reißt uns kompromisslos die Masken ab.

Im authentischen Sein liegt die Kraft der Heilung.

Wenn wir also mit unserem momentanen Zustand nicht einverstanden sind, dann sollten wir das Selbst hinterfragen. UND die Wege zur Selbst-Befreiung gehen. Für das Verständnis der Selbst-Befreiung braucht es ein gewisses Grundverständnis unserer feinstofflichen Anatomie der Materie. Denn wir sind ja nicht nur Materie. Auch den physisch härtesten und komplexesten Strukturen (wie Knochen, Zähne, Gewebe, Organe, etc.) liegen feinstoffliche und nichtstoffliche Komponenten zugrunde.